Dr. Peter Herold

Lieber Reinhard,

einen Nachruf auf Dich so zu beginnen ist insofern unpassend, als Du als Atheist überzeugt davon warst, dass nach dem Tod nichts mehr kommt. Auch da hat bei Dir, wie so oft, die Vernunft obsiegt. Aber in unseren Gedanken und in unserer Erinnerung lebst und begleitest Du uns weiter, insofern passt es dann doch. Und vielleicht hast Du Dich in dem Punkt ja auch geirrt, man weiß es nicht!

Du warst für alle in unserer Familie das, was man im Leben leider nicht allzu häufig findet: ein wahrer Freund. Wir Herolds erinnern uns vor allem gerne und immer wieder an Deine zahlreichen Besuche, wenn Du für ein paar Tage vorbei gekommen bist. Um die Batterien wieder aufzuladen, um gemeinsam etwas für die Arbeitspferde voran zu bringen, um uns auf unserem landwirtschaftlichen Betrieb zu unterstützen. Oder einfach so, weil es gerade auf dem Weg bei einer Deiner vielen Reisen lag. Und dabei nicht unser Gast, sondern Teil der Familie warst. Wie viele Abende haben wir gemeinsam auf Balkon oder Terrasse nahezu alle Probleme dieser Welt diskutiert (und manches gelöst - aber es hat leider niemand auf uns gehört …:-)). Immer begleitet von gehaltvollen Getränken und Tabakduft …

Neben diesem menschlichen Gewinn, den die Freundschaft mit Dir vor allem und zuerst bedeutete, wäre auch mein beruflicher Werdegang  ohne Dich ein anderer gewesen. Unsere gemeinsame Geschichte begann 1998, bei einem der Fuhrmannstage im Westfälischen Freilichtmuseum in Hagen. Ich hatte mir als Doktorand in den Kopf gesetzt, etwas zur Förderung des Arbeitspferdes zu tun, und von da an warst Du nicht nur fachlicher Berater und Türöffner in vieler Hinsicht, sondern Du wurdest schnell mehr, ein väterlicher Freund. Dass diese Doktorarbeit irgendwann dann doch noch fertig wurde, auch daran bist Du mit schuld. Ohne Dich wäre die Idee einer Bundesgeschäftsstelle der IGZ - zumindest damals - wohl nicht umgesetzt worden und die personelle Besetzung wäre sicher anders ausgefallen. Ohne Deinen Mut und Deine Visionen gäbe es kein BfN-Skript „Arbeitspferde im Naturschutz“, das 16 Jahre nach seiner Veröffentlichung immer noch nachgefragt wird und viel bewirkt hat. Und, und, und … Kurz: ohne Dich wäre vieles in der Arbeitspferdewelt wohl völlig anders gelaufen. Ohne Deinen unermüdlichen Einsatz für die Belange der IGZ und die des Arbeitspferdes allgemein, und ohne dass Du diejenigen um Dich herum immer wieder motiviert und angetrieben hast, stünde die IGZ und stünde der zeitgemäße Einsatz von Arbeitspferden nicht da, wo er jetzt steht. Auch wenn das manchem der heutigen Akteure vielleicht nicht geläufig ist - und mancher es offenbar verdrängt hat.

Abseits Deiner zahlreichen Verdienste rund um das Arbeitspferd warst Du vor allem ein gebildeter und kluger – eine Verbindung die es heute viel zu selten gibt – und zudem humorvoller Mensch – auch wenn Dein Humor manchmal ein wenig speziell war … „Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand …“, dieser Spruch von Volker Pispers, mit dem Dich zumindest politisch viel verband, fiel mir spontan ein. Denn er könnte definitiv aus Deiner Feder stammen - eine gewählte Sprache, das „geschliffene Wort“, war Dir immer sehr wichtig. Du hast Karl Kraus und Kurt Tucholsky verehrt und Dir gewünscht, so mancher heutige Schreiberling hätte zunächst deren Schriften studiert, bevor er selber zur Feder griff – oder letzteres gelassen, nicht nur beim Thema Arbeitspferde.

Lieber Reinhard, es betrübt uns, dass Dein „Lebensabend“ so verlaufen ist, wie er verlaufen ist – Du hättest wahrlich Besseres verdient gehabt! Und auch wenn angesichts Deiner gesundheitlichen Situation der plötzliche Tod für Dich vielleicht sogar eine Erlösung war – für uns und für alle, die Dir gut waren, kam er viel zu früh!

Mir fällt eine Zeile aus einem Song von Herbert Grönemeyer ein, die es so auf den Punkt bringt, wie es besser wohl kaum ginge (auch wenn Du den Herbert nicht gemocht hast …):

„Du fehlst!“

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