Ingo Nörenberg

Erinnerungen an Reinhard Scharnhölz

Beginnend mit Ausbildung und Beruf spielten Pferde eine bedeutende Rolle im Leben von Reinhard Scharnhölz. Nach seinem Studium der Veterinärmedizin und der Ausbildung zum Fachtierarzt für Zuchthygiene und Besamung promovierte er 1976 zum Thema „Vergleich von Trächtigkeitsdauer, Geburtsmonat und Alter der Mutter mit der Rennleistung von Vollblutpferden sowie Erhebungen über Zwillingsträchtigkeiten und Fohlenverluste“. In dem Zusammenhang absolvierte er mehrere Praktika in Vollblutgestüten und beschäftigte sich nicht nur mit der Gesundheit und Rennleistung von Vollblutpferden sondern auch mit deren Zucht und Abstammungen. Danach war Reinhard Scharnhölz langjährig beim Pferdegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer des Rheinlandes tätig. 

Als Naturfreund, der er war, galt das Interesse von Reinhard Scharnhölz besonders der Erhaltung natürlicher Biotope und den in ihrem Bestand gefährdeten Arten bzw. Rassen. So richtete er seine pferdezüchterische Aufmerksamkeit zunehmend auf die Kaltblutpferde und ihren zeitgemäßen Einsatz. Seit Anfang der 1990er Jahre agierte Reinhard Scharnhölz mehr als zehn Jahre als Rassevertreter Kaltblut beim Rheinischen Pferdestammbuch und war in dieser Funktion maßgeblich am Zustandekommen einer gemeinsamen NRW-Körung beteiligt. In diesem Zeitraum kaufte Reinhard Scharnhölz auch einige Kaltblutstuten sowie den Belgier Prince du Tilleul (geb. 1988 v. Fedor du Vieux a.d. Lisette de Habergy), der zunächst im Rheinland und dann in Mecklenburg-Vorpommern deckte. 

Prince du Tilleul

     Vorstellung auf einer Hengstparade des Landgestütes Redefin

Jahrelang befasste Reinhard Scharnhölz sich intensiv mit der Geschichte der Kaltblutpferde und deren Zucht, 2002 erschien dann das Buch „Kaltblutpferde Made in Germany“ in dem die Entwicklung der Kaltblutpferde allgemein und speziell der deutschen Kaltblutrassen sowie deren Verwendung fachlich fundiert und anschaulich erläutert werden.

Beim Rheinisch-Deutschen Kaltblut ordnete er den gesamten damaligen Hengstbestand den aktuellen Hengstlinien zu und führte diese auf die belgischen Ursprünge zurück. 

Im Rahmen seiner Tätigkeit als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zugpferde von 1997 bis 2013 setzte sich Reinhard Scharnhölz vehement für die Erhaltung der Zugpferderassen und deren Nutzung ein.

Reinhard Scharnhölz war regelmäßiger Besucher der Kaltblutveranstaltungen nicht nur bundesweit sowie fachkundiger Berichterstatter vor allem in der Zeitschrift Starke Pferde. Dort äußerte er sich auch zur Problematik des Fremdgen-Anteils besonders in den Zuchtbeständen im Rheinland und Westfalen und trug wesentlich zu einer praktikablen Lösung dieser Frage bei.

Krumke 2003

Reinhard Scharnhölz und Karl-Heinz Finkler mit dem Siegerhengst Echo I von Dönitz (geb. 2001 v. Eldor a.d. Vroni v. Vainqueur du Seigneur; Züchter: Lars-Endrik Heseler) verkauft an das Landgestüt Sachsen-Anhalt Prussendorf

 

Als aufgrund einer EU-Regelung ab dem Jahr 2003 für alle von den Verbänden betreuten Rassen Ursprungszuchtbücher eingetragen werden mussten, engagierte sich Reinhard Scharnhölz für die gemeinsame Führung des Ursprungszuchtbuches Rheinisch-Deutsches Kaltblut durch die diese Rasse betreuenden FN angeschlossenen Verbände ein und war ein wichtiger Ratgeber bei der Erarbeitung des Zuchtprogrammes. 

Auch nachdem Reinhard Scharnhölz den Vorsitz der Interessengemeinschaft Zugpferd abgegeben hatte, war er gern gesehener Besucher auf den Kaltblutkörungen und ließ es sich auch nicht nehmen, jeweils Ehrenpreise zu stiften. 

Wie gewohnt inhaltlich prägnant und sprachlich brillant lesen sich die Ausführungen von Reinhard Scharnhölz im Vorwort des „Hengstbuches Rheinisch-Deutsches Kaltblut in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen 2011“ oder dem Kapitel „Die Zukunft der Kaltblutzucht“ im Standardwerk Kaltblutpferde im Spiegel der Wissenschaft (2017). Auch in den zurückliegenden Jahren gab Reinhard Scharnhölz bereitwillig kompetente Auskünfte zu allen Fragen der Kaltblutzucht. 

Reinhard Scharnhölz – seine Persönlichkeit, sein Wissen, seine Stimme, sein Rat und sein sachliches, vermittelndes Wesen werden fehlen. Setzen wir uns in seinem Sinne für die Erhaltung der Natur und speziell der Kaltblutpferde ein.

 

Ingo Nörenberg

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