Elmar Stertenbrink

Nach dem Tod meines Freundes Reinhard

 Dass ich ihm nach seiner 16-jährigen Amtszeit im Vorsitz der Interessengemeinschaft Zugpferde folgen durfte, wird mir immer eine Ehre sein. 

Reinhard stand am Anfang eines großartigen Weges als er sich für den Vorsitz der IGZ vor nun 28 Jahren entschied. Mit der Ausprägung dieses Vereins hat er einen kaum zu beschreibenden Rahmen geschaffen, in dem sich die Arbeitspferdeszene in Deutschland und den Nachbarländern in den kommenden Jahren entwickeln sollte. 

Wir sind ihm zu Dank verpflichtet, noch sehr lange.


Neben dieser Initiative war er beseelter Züchter von Equiden zahlreicher Art. In der Zucht entdeckte Reinhard, dass tief verborgene Eigenschaften der Tiere zum menschlichen Nutzen werden können. Wenn er auch Begeisterung empfand, dass sich das Tier mit seinem tief in ihm schlummernden Gaben regelrecht erweckt fühlte und damit dem Menschen diente, war es für ihn immer von zentraler Bedeutung, dass der eigentliche Charakter des Geschöpfes niemals zur Disposition stehen darf. Dass sich jedoch menschliches Handeln im Umgang mit der Natur nicht immer auf diese Grundsätze aufbaut, war für ihn eine bittere und beunruhigende Erkenntnis. 
Immer noch begeistert von der Artenvielfalt dieser Natur entwickelte er schließlich eine nahezu meisterliche Beobachtungsgabe. Wichtig war für ihn, aus der Defensiv zu beobachten und zu begreifen was er geboten bekam.  Und das was er am liebsten sah, war die Tierwelt, ungestört, ohne menschlichen Einfluss, draußen in freier Landschaft.
Mag man denken es ginge „back to the roots“ in seinem Verlauf, vielleicht auch deswegen, weil nicht jede züchterische Ambition und deren nachfolgende Ingebrauchnahme von Pferd, Hund, Katze, seinen fundamentalen, ethischen Vorstellungen entsprach. So lebte er in der Überzeugung, dass nichts Anderes als der endlose Weg der Evolution alleine der Richtige sei und dass der Planet ohne Menschen in diesem Prozess wahrscheinlich deutlich ruhiger um die Sonne drehen könnte.

Ein Beispiel hierzu sei angeführt und diesen wissenschaftlichen Befund trug er mit herausragender Überzeugung vor: Das ursprüngliche Verhältnis zwischen Mensch und Wolf sei dadurch geprägt, dass der Wolf selbst die Nähe zum Menschen suchte, weil er darin Vorteile für sich sah. Und so begann die Verbandelung zweier Geschöpfe derer Auswirkung wir heute gegenüberstehen. Es ist also nicht der Mensch als Herrscher, von dem die Idee dieser Welt ausgeht, sondern das gesamte vielseitige Leben um uns herum. Das Leben, das sich jeden Tag und alle Zeit neu organisiert und sich dabei unaufhörlich gegenseitig bewegt.
Reinhard schwankte zwischen der Überzeugung, dass die Intelligenz des Menschen einerseits ein wunderbares Werkzeug war, um diese Welt zu erkennen, zu begreifen und zu schützen, aber andererseits der Mensch tatschlich seine Geisteskraft dazu nutzt, sich niedersten Belangen zu widmen und dabei sprichwörtlich über Leichen geht und diese Welt zerstört.

Ich bin jetzt schon dankbar, dass ich mich an etlichen Momenten an Reinhards Unabrückbarkeit erinnern werde, denn es sind die wesentlichen Themen, denen er sich zuwendete, mit denen wir allesamt auch in kommenden Zeiten immer wieder konfrontiert werden. Eine intuitive wohlwollend angewandte Praxis des Hinterfragens trieb ihn an, um an den Grund einer Fragestellung zu gelangen.
Niemand kam dabei zu Schaden. Das war ihm wichtig!  Dem Sinn des Daseins auf die Spur zu kommen, war für ihn fast wie ein Sport, denn es bedarf dabei Ausdauer, Ehrgeiz und Lust auf Gewinn (Erkenntnis). Bei all dem war Reinhard ein ausgesprochen geselliger Mensch, der es liebte, in der Gemeinschaft hehre Ziele zu verfolgen und dabei den Humor im Gespräch nie vergaß. Er war hilfsbereit und bisweilen selbstlos, wenn er sich im Rudel wohlfühlen durfte.

Mit ihm bis hierhin unterwegs gewesen zu sein, ist ein Geschenk. Eine Wegstrecke aus deren Verlauf so manche Schlüsse für kommende Navigationen gezogen werden können.
Ob es nach seiner Zeit ein Weiter oder ein Neues oder Ähnliches geben würde, interessierte ihn schichtweg nicht. Diese Überlegung wäre für ihn sicherlich zu selbstgerecht gewesen. Er wollte nur Teil des Ganzen sein und viel von dem ganzen Geschehen begreifen.
Das hat er geschafft und er wusste dabei auch, dass das große Ganze immer weiter gehen wird.

Als Freund sage ich, Danke lieber Reinhard
 

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